|
|
|
|
Die Gründer:
Pioniere des Automobilbaus
Bilder
und Texte u.a. von:
www.mercedes-benz.com

Die Gründer: Carl Benz, Gottlieb Daimler, Emil Jellinek, Wilhelm Maybach
Pioniere des Automobilbaus
Dass sich in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts gleichzeitig
- und nicht weit voneinander entfernt - zwei Köpfe, Karl Benz und Gottlieb
Daimler, erfolgreich mit der automobilen Fortbewegung beschäftigten, ist ein
bemerkenswerter Zufall. Die beiden hatten völlig unterschiedliche Lebenswege
und brachten unterschiedliche berufliche Voraussetzungen mit. Doch schufen sie
ein und dasselbe: Sie erfanden das Automobil. Jeder für sich und ohne vom
anderen zu wissen - selbst später lernten sie sich nur flüchtig kennen. Bertha
Benz verhalf durch ihre legendäre Fernfahrt dem Automobil zum Durchbruch, und
auch die Namen, Wilhelm Maybach und Emil Jellinek sind untrennbar mit der
erfolgreichen Geschichte unseres Unternehmens verbunden.
Gottlieb Daimler
Die frühen Jahre
Gottlieb Daimler wurde am 17. März 1834 in Schorndorf geboren. Neben der
Lateinschule besuchte er auch die Zeichenschule, in der nur an Sonntagen
unterrichtet wurde. 1848 trat er in Schorndorf, vermutlich bei Meister Wilke,
eine Lehre als Büchsenmacher an, die er 1852 mit seinem Gesellenstück, einer
doppelläufigen Pistole, abschloss. Nach einem Aufenthalt in Frankreich, bei
dem Daimler praktische Erfahrungen im Maschinenbau erwarb, besuchte er von
1857 - 1859 die Polytechnische Schule in Stuttgart; nach verschiedenen
technischen Tätigkeiten in Frankreich und England trat er 1862 eine Stelle als
Zeichner in Geislingen an. Ende 1863 wurde er Werkstätteninspektor der
Maschinenfabrik des Bruderhauses in Reutlingen, wo er 1865 auch Wilhelm
Maybach kennen lernte.
Am 9. November 1867 heiratete er Emma Kurtz aus Maulbronn. 1869 wurde er
Werkstättenvorsteher der Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe und wechselte
1872 zu Otto und Langen als technischer Leiter der Gasmotorenfabrik Deutz, wo
er das Ottosche Viertaktprinzip kennen lernte. Nach Differenzen mit der
Geschäftsleitung verließ er die Gasmotorenfabrik Mitte 1882.
Die Versuchswerkstatt in Cannstatt
1882 hatte Daimler eine Villa in der Cannstatter Taubenheimerstraße für 75 000
Goldmark erworben, was ihm durch die Arbeit in Deutz und die reichhaltige
Abfindung der Gasmotorenfabrik möglich war. Im großen Garten der Villa befand
sich ein Gewächshaus, das Daimler umgehend durch einen Backsteinbau vergrößern
ließ, um dort eine Versuchswerkstatt einzurichten. Daimlers grundlegender
Ansatz war, Benzin als ausschließlichen Brennstoff für die Motoren zu
verwenden und diese in alle nur denkbaren Fahrzeuge - zu Lande, zu Wasser und
in der Luft -einzubauen. Als Arbeitsverfahren für den Motor dachte er
selbstverständlich an das Ottosche Viertaktverfahren, das jedoch aufgrund des
komplizierten Zündmechanismus keine hohen Drehzahlen gestattete. Daimler ließ
sich nach intensiven Versuchen einen ungekühlten, wärmeisolierten Motor mit
ungesteuerter Glührohrzündung patentieren. Dieses DRP 28022 war ein
Meisterwerk an Formulierkunst, da es streng genommen dem Ottoschen
Viertaktprinzip entsprach. Das Patent 28022 wurde zum Anlass erbitterter
Patentprozesse, in die sich die Deutzer Firma einschaltete, nachdem ihr
Daimler ein kostenloses Nutzungsrecht der ungesteuerten Glührohrzündung nicht
gestattet hatte. Das Reichsgericht aber folgte, dank seinem persönlichen
Auftreten, Daimlers Argumentation, sein Anspruch blieb bestehen. Ende des
Jahres 1883 lief dann der erste Versuchsmotor, der bei der Glockengießerei
Kurz gegossen worden war und in deren Büchern als der "kleine Modellmotor"
geführt wurde. Dank Glühzündung und gesteuertem Auslassventil erreichte er 600
Umdrehungen pro Minute und übertraf damit die bisherigen Motoren, deren
Drehzahllimit bei 120-180 Umdrehungen lag, bei weitem. Der nächste
Versuchsmotor wurde seines Aussehens wegen als "Standuhr" tituliert. Seine
Leistung betrug in ersten Ausführungen von 1884 etwas 1 PS bei 600
Umdrehungen. Mit dieser Konstruktion, die auf Gewichtsersparnis und kompakte
Bauweise ausgerichtet war, hatten Daimler und Maybach die Grundlage für den
Einbau in ein Fahrzeug geschaffen. Als erster Versuchsträger fungierte ein
Motorrad mit hölzernem Rahmen, oft als "Reitrad" oder "Reitwagen" bezeichnet.
Der nochmals verkleinerte 1 Zyl.-Motor nach dem Vorbild der "Standuhr" war
stehend unter dem Sitz des Fahrers eingebaut. Auf dieses "Fahrzeug mit Gas-
bzw. Petroleum-Kraftmaschine", wie der Patentanspruch lautete, erhielt Daimler
am 28. August 1885 das DRP 36423. Schon im Frühjahr 1886 hatte Daimler bei der
Firma W. Wimpff & Sohn eine Kutsche, Typ "Americain", so die Bezeichnung des
Wagens, bestellt. Angefertigt in Hamburg, montiert in Stuttgart, wurde der
Wagen am 28. August geliefert und heimlich in der Nacht auf das Daimlersche
Anwesen gebracht, angeblich als Geburtstagsgeschenk für Frau Daimler. Der
Motor, den man nebst Drehschemellenkung unter Maybachs Anleitung in der
Maschinenfabrik Esslingen einbaute, hatte 11/2 PS und war nach dem Vorbild der
Standuhr gebaut. Die Kraftübertragung erfolgte über die Riemen. Mit dieser
Daimler "Motorkutsche" war das erste Vierrad-Automobil der Welt entstanden.
Der nächste Versuchsträger war ein Boot. Das DRP 39367 lautete auf
"Einrichtung zum Betrieb der Schraubwelle eines Schiffes mittels Gas oder
Petroleum-Kraftmaschine". Im Juni 1887 wurden neue Fabrikationsräume auf dem
Seelberg bezogen. Daimler stellte 23 handverlesene Arbeiter ein. Für einen
reinen Versuchsbetrieb war diese Arbeiterzahl natürlich viel zu hoch, und die
Unkosten zehrten Daimlers Privatvermögen zu einem großen Teil auf. Dies konnte
auch nicht durch die finanziellen Gewinne kompensiert werden, die sich zur
damaligen Zeit vor allem durch das gut anlaufende Geschäft mit den
Bootsmotoren ergaben. Die gespannte Kapitallage bewegte Daimler letztlich
dazu, Verbündete zu suchen. Am 28. November 1890 konstituierte sich die
Aktiengesellschaft unter dem Namen "Daimler-Motoren-Gesellschaft" mit dem
Ziel, die Aktivitäten auf dem Seelberg fortzuführen. Zwar war Maybach im
Syndikatsvertrag als technischer Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft
vorgesehen, die Vertragsmodalitäten waren jedoch für eine Kapazität, wie
Maybach es war, unannehmbar. So schied er am 11. Februar 1891 aus dem
Unternehmen aus. Zentraler Punkt der Kontroverse, die sich zwischen
Duttenhofer und Daimler abspielte, waren die Produkte. Als sich in diesem
Punkt keine Einigkeit erzielen ließ, griff Daimler zu einer List. Unabhängig
von der Daimler-Motoren-Gesellschaft sollte die Entwicklung unter Maybachs
Mitwirkung weiter vorangetrieben werden. Damit schlug Daimler zwei Fliegen mit
einer Klappe, denn er hätte bei Auflösung seines Vertrages mit Maybach eine
nicht unerhebliche Summe an diesen zahlen müssen. Zum zweiten Mal musste nun
Maybachs privates Domizil als Konstruktionsbüro herhalten. Im Herbst 1892
mietete Maybach im Auftrag Daimlers den Gartensaal des ehemaligen Hotels
Hermann an.
Die Patente für die hier erdachten Konstruktionen liefen, aus Gründen der
Tarnung, auf den Namen Maybachs. Daimler sorgte lediglich für den finanziellen
Rahmen des Unterfangens, konstruktiv hatte Maybach freie Hand. Eine der
wichtigsten Erfindungen Maybachs aus dieser Zeit ist der Spritzdüsenvergaser.
Wirtschaftlicher Erfolg war der DMG nach Maybachs Weggang nicht beschieden.
Bezeichnender Weise wurden die Erfindungen von Daimler und Maybach zunächst im
Ausland, vor allem in Frankreich, kommerziell genutzt. Die beiden
Automobilpioniere Panhard und Levassor hatten von Daimler im Jahre1889 die
Lizenzechte erworben und bauten ab 1890 nur noch die von Maybach entwickelten
Zweizylinder-V-Motoren in ihre Fahrzeuge ein.
Die letzten Jahre
Gottlieb Daimler litt seit längerem unter Herzbeschwerden. Im Winter 1892/93
erkrankte er erneut und wurde im Frühjahr nach Florenz zur Kur geschickt. Dort
traf er Linda Hartmann, geb. Schwend wieder, die er früher schon bei
Cannstatter Freunden kennen gelernt hatte. Seine erste Frau Emma war am 28.
Juli1889 verstorben, und die 22 Jahre jüngere und weltgewandte Linda Hartmann
beeindruckte ihn so nachhaltig, dass er beschloss, sie zu heiraten. Die
Eheschließung fand am 8. Juli 1893 in Schwäbisch Hall statt.
Durch sein Herzleiden schon gezeichnet, machte Daimler Fehler gegenüber der
DMG und lehnte es beispielsweise ab, weitere 102 Aktien zu erwerben, die ihm
die Mehrheit garantiert hätten, wohl auch, weil er selbst Zweifel hatte, ob
sich die Geschicke der Gesellschaften noch zum Besten wenden würden. Das immer
gespannter werdende Verhältnis Daimlers zu Lorenz und Duttenhofer führte
letztendlich dazu, dass beide ihn als Aktionär ausschalteten, indem sie auf
Rückzahlung der 400 000 Mark drängten, die die Daimler-Motoren-Gesellschaft
der Bank schuldete. Falls nicht, so drohten sie mit Konkurs, eröffneten aber
Daimler die Möglichkeit, sein Aktienpaket und die Rechte an seinen Erfindungen
an sie zum Preis von 66 666 Mark zu veräußern. Um nicht als Bankrotteur
dazustehen, stimmte Daimler zu. Man hatte Daimler abgehängt, aber das brachte
der Firma kein Glück. Es gab keine technischen Fortschritte mehr, und die
Bilanzen wurden zusehends schlechter. Ein 1895 an Maybach ergangenes Angebot
der Daimler-Motor-Gesellschaft hatte dieser abgewiesen mit dem Hinweis, dass
er ohne Daimler nicht zurück käme. Duttenhofer hätte dem wohl nie zugestimmt,
wäre nicht ein anderer Umstand hinzugekommen, der einen Sinneswandel in der
Geschäftsleitung auslöste. Durch den von Maybach konstruierten Phönix-Motor
war der Begriff des Daimler-Motors im Ausland in aller Munde, und eine Gruppe
englischer Industrieller, deren Sprecher Frederick R. Simms war, wünschte die
Lizenzrechte dieses Motors für England zu erwerben. Man war bereit, dafür den
horrenden Betrag von 350 000 Mark zu bezahlen. Es war allerdings die Bedingung
damit verknüpft, Daimler wieder in die Gesellschaft aufzunehmen. Die Rückkehr
Daimlers und Maybachs brachten der Gesellschaft einen ungeahnten Aufschwung.
Daimler erhielt seinen Aktienanteil in Höhe von 200 000 Mark zurück, plus dem
Genussschein von 100 000 Mark. Seine Stellung im Aufsichtsrat war die eines
sachverständigen Beirats und Generalinspektors, Maybach wurde mit Vertrag vom
8. November 1895 zum technischen Direktor der Daimler-Motoren-Gesellschaft
ernannt, ebenfalls erhielt er die Aktien in Höhe von 30 000 Mark. Für Maybach
ging es nun zuallererst darum, mit technisch fortschrittlichen und
zuverlässigen Produkten die Konkurrenzfähigkeit der DMG wiederherzustellen.
Eine wichtige Grundlage bildeten die im Hotel Hermann entwickelten
Konstruktionen.
Daimler selbst blieben von diesem Zeitpunkt an nur noch fünf Jahre bis zu
seinem Tod am 6. März 1900.
Karl Benz
Die frühen Jahre
Am 25.11.1844 wurde Karl Benz als Sohn eines Lokomotivführers in Karlsruhe
geboren. Der Vater verstarb schon zwei Jahre nach Karls Geburt. Trotz
begrenzter finanzieller Mittel sorgte die Mutter für eine gute Ausbildung.
Karl Benz besuchte das Gymnasium und studierte danach an der Polytechnischen
Hochschule in Karlsruhe. Dem Studium folgte ein zweijähriges Praktikum bei der
Maschinenbau-Gesellschaft in Karlsruhe. Seine erste Anstellung erhielt Karl
Benz in Mannheim bei einer Waagenfabrik als Zeichner und Konstrukteur. Als er
1868 die Stelle verlor, ging er in eine Maschinenfabrik, die sich vor allem im
Brückenbau engagierte. Dieser Anstellung folgte ein kurzes Intermezzo in Wien,
ebenfalls bei einer Eisenkonstruktionsfirma.
Die Anfänge
1871 gründete Karl Benz zusammen mit dem "Mechanikus" August Ritter seine
erste Firma in Mannheim. Da Ritter kein zuverlässiger Partner war, zahlte Karl
Benz ihn mit Hilfe der Mitgift seiner Braut Bertha Ringer aus und führte so
das Unternehmen alleine weiter. 1872 heirateten Bertha Ringer und Karl Benz.
Bertha Benz war entscheidend für den späteren Erfolg des jungen Unternehmens.
Sie unternahm die erste Fernfahrt der Welt und gilt damit als erste
Automobilistin der Geschichte. Karl und Bertha hatten zusammen 5 Kinder.
Anfänglich liefen die Geschäfte von Karl Benz sehr schlecht. Seine
"Eisengießerei und mechanische Werkstätte", später auch "Fabrik für Maschinen
zur Blechbearbeitung" genannt, erlebte die Pfändung von Werkzeugen. Um eine
neue Existenzgrundlage zu finden, beschäftigte sich Karl Benz in dieser Zeit
intensiv mit Zweitaktmotoren, von denen der erste Motor nach zweijähriger
Entwicklungszeit 1879 zum ersten Mal zufriedenstellend lief. Dieser Motor war
nach dem Zweitaktprinzip gebaut, weil der Gasmotorenfabrik in Deutz bereits
1877 ein deutsches Patent für den Viertaktmotor erteilt worden war. Auch Benz
erhielt für die Vervollkommnung seines Zweitaktmotors mehrere grundlegende
Patente, z. B. für die Drehzahlregulierung. Zur Zündung benutzte er seine
neuentwickelte Batteriezündung. Mit neuen Geldgebern und Teilhabern, sowie mit
der finanzkräftigen Hilfe der Banken, wandelten sie das Unternehmen 1882 in
eine Aktiengesellschaft um und nannten die Firma "Gasmotoren-Fabrik Mannheim".
Da Karl Benz jedoch mit lediglich 5 % beteiligt war, "nur" als Direktor und
nicht als Ideenlieferant fungierte und seine Teilhaber versuchten, Einfluss
auf seine Konstruktionen auszuüben, verließ Karl Benz das junge Unternehmen
bereits 1883 wieder.
Benz & Co.
Benz bekam noch im selben Jahr finanzielle Unterstützung von den
Geschäftsleuten Max Rose und Friedrich Wilhelm Esslinger, die im Oktober 1883
gemeinsam mit Benz die Firma "Benz & Co. Rheinische Gasmotoren-Fabrik"
gründeten. Schnell expandierte der Arbeiterstamm auf 25 Mann, und es konnten
sogar Lizenzen für den Bau von Gasmotoren vergeben werden. Benz konnte sich
nun ungestört der Entwicklung seines Wagenmotors widmen. Finanziell gesichert,
begann er mit der Konstruktion eines ganzheitlich konzipierten Fahrzeugs, in
das sein Viertakt-Benzinmotor integriert war, im Gegensatz zu Daimler, der
seinen ersten Motor in eine Kutsche einbaute. 1886 erhielt er auf das Fahrzeug
ein Patent und stellte seinen ersten "Benz Patent-Motorwagen" der
Öffentlichkeit vor. In den Jahren 1885-1887 entstanden insgesamt drei
Versionen des Dreirads: das Modell 1, das Benz 1906 dem Deutschen Museum zum
Geschenk machte, das Modell 2, das vermutlich mehrfach modifiziert und
umgebaut wurde und letztlich das Modell 3 mit Holzspeichenrädern, das Bertha
Benz auch 1888 für ihre erste Fernfahrt benutzte. Die stetig steigende
Nachfrage nach Stationärmotoren erforderte einen Umzug der "Benz & Co.
Rheinische Gasmotoren-Fabrik" in ein größeres Fabrikationsgebäude. 1890 wird
die "Rheinische Gasmotoren-Fabrik" durch den Eintritt der neuen Gesellschafter
Friedrich von Fischer und Julius Ganß, zur zweitgrößten Motorenfabrik
Deutschlands. 1893 führte Karl Benz die Achsschenkellenkung in den
Kraftwagenbau ein, und 1896 entwickelt er den Contra-Motor, den Urvater der
heutigen Boxermotoren.
Größter Automobilhersteller der Welt
Der Durchbruch zu höheren Absatzzahlen gelang Benz & Co mit dem "Velo". Ein
preisgünstiges, leichtes Automobil, das in der Zeit von 1894 bis 1901
gefertigt wurde. Dieses Automobil konnte bei einer produzierten
Gesamtstückzahl von ca.1200 als erster Serienwagen bezeichnet werden. Benz &
Co wuchs bis zum Jahrhundertwechsel zum weltweit führenden Automobilhersteller
heran. 1899 wurde die Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Neben Karl
Benz wurde Julius Ganß als Vorstandsmitglied kaufmännischer Leiter. Von 1890
bis 1899 stieg die Belegschaft im Fahrzeugbau von 50 Arbeiter auf 430 Mann. In
diesem Jahr wurden bei Benz 572 Fahrzeuge gebaut.
Die letzten Jahre
Mit Wirkung des 24.1.1903 beendete Karl Benz seine aktive Tätigkeit in der
Firma, trat aber in den Aufsichtsrat ein. Sein Ausscheiden lag darin
begründet, dass die Geschäftsleitung eine Gruppe französischer Konstrukteure
ins Mannheimer Werk gerufen hatte, um der Mercedes-Konkurrenz etwas
Gleichwertiges entgegenzusetzen. Das hatte aber innerbetriebliche Querelen zur
Folge. Mit Karl Benz schieden auch seine Söhne Eugen und Richard aus; Richard
kehrte jedoch 1904 als Betriebsleiter des Personenwagenbaus wieder nach
Mannheim zurück. Bis Ende diesen Jahres waren bereits 3480 Benz Motorwagen
verkauft worden. 1906 gründete Karl Benz die Firma "Carl Benz Söhne" in
Ladenburg, die Inhaber waren Karl Benz und sein Sohn Eugen. Nachdem sie in dem
neuen Betrieb mit der Herstellung von Gassaugmotoren scheiterten, verlegte man
sich dort auf den Fahrzeugbau, und es wurden von 1923 ca. 350 "Carl Benz
Söhne" - Fahrzeuge hergestellt. Die Familie hatte inzwischen auch ihren
Wohnsitz nach Ladenburg verlegt. 1912 schied Karl Benz als Gesellschafter aus
dem Unternehmen aus und überließ den Söhnen Eugen und Richard die Führung. Die
Firma expandierte weiter und erschloss neue Betriebswege, z.B. den Export nach
England, wo die "Benz-Söhne"-Fahrzeuge häufig als Taxen Verwendung fanden und
sich dank ihrer Zuverlässigkeit großer Beliebtheit erfreuten. 1923 wurde das
letzte Fahrzeug hergestellt, allerdings wurden ein Jahr später noch einmal
zwei 8/25 PS-Fahrzeuge montiert, die Karl Benz als Privat- bzw. Geschäftswagen
dienten. Beide Wagen existieren heute noch. Im Gegensatz zu Gottlieb Daimler,
der bereits 1900 gestorben war, konnte Karl Benz den Aufschwung der
Motorisierung und den endgültigen Durchbruch seiner Idee noch miterleben. Karl
Benz starb am 4. April 1929 in seinem Haus in Ladenburg. Heute wird dieses
Haus der "Karl Benz und Gottlieb Daimler-Stiftung" als Stiftungssitz auch für
Veranstaltungen genutzt.
Wilhelm Maybach
König der Konstrukteure
Wilhelm Maybach wurde am 9. Februar 1846 in Heilbronn geboren und wuchs dort
zusammen mit fünf Geschwistern auf. Die Familie zog später nach Stuttgart. Mit
zehn Jahren war er Vollwaise. Im Reutlinger Bruderhaus ging er zur Schule. Der
Gründer und Leiter des Bruderhauses erkannte sehr früh die technische Begabung
des Knaben und förderte ihn. In Reutlingen lernte er 1865 auch Gottlieb
Daimler kennen. Wilhelm Maybach wurde der kongeniale Weggefährte Gottlieb
Daimlers und blieb mit ihm bis zu dessen Tod eng verbunden.
Mit Daimler war er im September 1869 nach Karlsruhe gegangen und dann zu den
Deutzer Motorenwerken. Dort inspiriert, wollte er einen leichten,
schnelllaufenden Verbrennungsmotor konstruieren, geeignet für Fahrzeuge zu
Wasser, zu Lande und in der Luft.
Nachdem Daimler die Gasmotorenfabrik Deutz nach Differenz mit der
Geschäftleitung Mitte 1882 verlassen hatte, folgte ihm Wilhelm Maybach im
Oktober 1882 nach Cannstatt, um dort den leichten, schnelllaufenden
Verbrennungsmotor zu entwickeln. Bei seinen umfangreichen Recherchen entdeckte
Maybach ein Patent des Engländers Watson, das eine ungesteuerte
Glührohrzündung beschreibt - eine wichtige Vorraussetzung für höhere
Drehzahlen. Dem liegendem Versuchsmotor von 1883 folgte die sogenannte
"Standuhr", ein Motor mit stehendem Zylinder, der sich für den Einbau in
Fahrzeuge eignete. 1885 wurde zunächst ein hölzernes Reitrad, im Folgejahr
dann auch eine Kutsche mit dem neuen Motor ausgerüstet. Aber Maybach reichte
es nicht aus, lediglich Motoren für Kutschen zu bauen. Die Erfindung, die
daraus resultierte, war der Stahlradwagen. Bei diesem Fahrzeug fällt Maybach
auch der Verdienst zu, das Zahnradgetriebe in den Automobilbau eingeführt zu
haben. Auf der Pariser Weltausstellung von 1889 präsentiert, gab der
Stahlradwagen außerdem den Anstoß zur Entstehung der Französischen
Automobilindustrie. Als Daimler im November 1890 mit Duttenhofer und Lorenz
die Daimler-Motoren-Gesellschaft gründete, sollte Maybach Chefkonstrukteur
werden, aufgrund der für ihn unannehmbaren Vertragsbedingungen schied er aber
bereits im Februar 1891 wieder aus.
Es folgte zunächst eine eineinhalbjährige Konstruktionstätigkeit, der Maybach
in seiner Privatwohnung nachging; im Herbst 1892 begannen die ebenfalls von
Daimler finanzierten Entwicklungsarbeiten im Hotel Hermann, die so bedeutende
Konstruktionen wie den Spritzdüsenvergaser und den Phönix-Motor sowie
Detailverbesserungen des Riemen-Antriebs hervorbrachten. Auf Betrieben des
englischen Industriellen Frederick Simms trat Maybach schließlich im November
1895 als Technischer Direktor wieder in die Dienste der DMG. Dort entwickelte
er zunächst den Röhrenkühler mit Ventilator, später dann den
Bienenwabenkühler. Als weitere technische Leistung entwarf der "König der
Konstrukteure", wie ihn die Franzosen nannten, den ersten
Vierzylinder-Automobilmotor, und in den Jahren 1898/99 entstand eine
Motorgeneration von fünf Typen zwischen 6 und 23 PS.
Eine seiner herausragendsten Konstruktionen schuf Maybach nach Daimlers Tod im
Jahre 1900: Den ersten Mercedes, der auf der "Woche von Nizza" im März 1901
Furore machte, ein Fahrzeug, das sich von allen bisher in der
Daimler-Motoren-Gesellschaft gedachten und gebauten Wagen deutlich abhob und
dass das Kutschenzeitalter im Automobilbau beendete. Trotz der großen Erfolge
der Mercedes-Wagen in den folgenden Jahren wurde Maybach Opfer von Intrigen.
Er wurde als Chefkonstrukteur abgelöst und seine Aktivitäten auf ein
"Erfinderbüro" beschränkt. 1907 verließ er verbittert die DMG. Als am 5.
August 1908 der Zeppelin LZ 4 durch Sturmböen zerstört wurde, bot Maybach dem
Grafen Zeppelin an, einen neuen, besseren Luftschiffmotor zu bauen. Die
Verhandlungen, die sich daraufhin ergaben, führten am 23. März 1909 zur
Gründung der "Luftfahrzeug-Motorenbau-GmbH Bissingen". Technischer Leiter war
Wilhelm Maybachs Sohn Karl, der auch den neuen Motor konstruiert hatte.
1912 übersiedelte die in "Luftfahrzeug-Motoren-GmbH-Bissingen" umbenannte
Firma nach Friedrichshafen. Vater und Sohn waren an dem Unternehmen mit je 20%
beteiligt, Wilhelm Maybach überließ die Geschicke der Firma jedoch völlig
seinem Sohn.
Ab 1922 wurden in Friedrichshafen auch Luxus-Automobile hergestellt. Ein
Höhepunkt der Produktpalette war der Maybach 12 Typ DS von 1929, das erste
Automobil mit V12-Motor, das wie sein Nachfolger, der Typ "Zeppelin", als
deutsches Pendant zum Rolls-Royce gesehen wurde. Wilhelm Maybach starb am 29.
Dezember 1929.
Emil Jellinek
Emil Jellinek wurde am 6. April 1853 in Leipzig geboren. Als Schüler macht er
seinen Eltern keine Freude - nach einigen Jahren Privatunterricht hält er es
an keiner Schule lange aus. Der Zwang zu lernen widerstrebt Emil Jellinek
total. Mit 17 tritt er als Beamter bei der Nordwest-Bahn Rot-Kostelec seinen
Dienst an. Zwei Jahre später muss er bereits seinen Dienst quittieren.
Man schickt Emil Jellinek nach Frankreich, und von dort aus folgt der Ruf des
österreichisch-ungarischen Konsuls nach Tanger. Ein Jahr später geht er als
Konsular-Agent nach Tetuan, heiratet eine Französin und baut einen
erfolgreichen Handel mit nordafrikanischen Landesprodukten auf.
1881 kehrt er nach Wien zurück, um die Vertretung einer
Versicherungsgesellschaft zu übernehmen: er wird Inspektor - und dennoch zieht
es ihn wieder nach Algier. Hier werden seine beiden Söhne Adolph und Fernand
geboren. 1889 sieht ihn Europa wieder: Emil Jellinek kehrt mit seiner Familie
nach Wien zurück.
Mercedes
1889 wird Jellineks Tochter Mercedes geboren - der spanische Frauenname
Mercedes bedeutet "Gnade". Vier Jahre später stirbt seine Frau. Die Geschäfte
von Jellinek sind bald so einträglich, dass er nach Nizza übersiedeln kann. Er
kauft sich sein erstes Fahrzeug: ein Dion-Bouton-Tricycle. Ihm folgt eine
dreirädrige Léon-Bollée-Voiturette, die dann von einer viersitzigen
Benz-Kutsche abgelöst wird. Durch einen Zeitungsartikel wird Jellinek auf die
Daimler-Motoren-Gesellschaft aufmerksam und reist 1897 eigens nach Cannstatt,
um die Daimler-Fabrik zu besuchen. Er bestellt seinen ersten Daimler-Wagen,
einen 6-PS-Riemenwagen mit 2-Zylindermotor. Der im Oktober 1897 gelieferte
Wagen mit einer Höchstgeschwindigkeit von 24 km/h ist Jellinek bald zu
langsam. Er fordert eine Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h und bestellt zwei
weitere Fahrzeuge: Die beiden im September 1898 ausgelieferten Daimler "Phönix"-Wagen
mit einem vorn liegenden 8-PS-Motor sind die weltweit ersten Straßenfahrzeuge
mit Vierzylindermotor.
Emil Jellinek, der in Nizza ein großes Haus führt und gute Beziehungen zur
internationalen Finanzwelt und Aristokratie besitzt, betätigt sich ab 1898
auch zunehmend als Geschäftsmann, der die Daimler-Automobile insbesondere in
den höchsten Kreisen der Gesellschaft propagiert und vertreibt. Im Jahr 1899
liefert die DMG bereits 10 Fahrzeuge an Jellinek, 1900 sind es sogar 29.
Jellinek fordert von der DMG immer stärkere und schnellere Fahrzeuge und
meldet diese auch zu Rennveranstaltungen - allen voran der Woche von Nizza -
bei denen er unter Pseudonym aufzutreten pflegt. Dazu benutzt er den Vornamen
seiner Tochter. Jellineks Pseudonym "Mercedes" ist in Automobilistenkreisen in
aller Munde.
Im April 1900 wird es auch zur Produktbezeichnung, als Jellinek und die DMG
eine Vereinbarung über den Vertrieb von Wagen und Motoren treffen. Dabei wird
u. a. beschlossen, eine neue Motorform zu entwickeln, die "den Namen
Daimler-Mercedes führen" solle. Gut 14 Tage später bestellt Jellinek 36
Fahrzeuge zum Gesamtpreis von 550.000 Mark - nach heutigem Geldwert 5,5 Mio.
DM und nicht nur für damalige Verhältnisse ein Großauftrag. Nach wenigen
Wochen gibt er erneut 36 Fahrzeuge, alle mit 8-PS-Motor, in Auftrag.
Der erste mit dem neuen Motor ausgerüstete Wagen, ein 35-PS-Rennwagen, wird am
22. Dezember 1900 an Jellinek geliefert. Dieser erste "Mercedes", entwickelt
von Wilhelm Maybach, dem Chefkonstrukteur der DMG, sorgt zu Beginn des
Jahrhunderts für Furore. Mit seinem niedrigen Schwerpunkt, dem Preßstahlrahmen,
dem leichten und leistungsstarken Motor und dem Bienenwabenkühler führt er
zahlreiche Innovationen ein und gilt heute als erstes modernes Automobil.
Die Woche von Nizza im März 1901, bei der die eingesetzten Mercedes in
praktisch allen Disziplinen unschlagbar sind, verhilft Jellinek und dem
Mercedes zu außergewöhnlicher Publizität. Im März und August 1901 erscheinen
die Schwestermodelle 12/16 PS und 8/11 PS. Durch Jellineks Bestellungen wird
die Produktionskapazität des Cannstatter Daimler-Werks mehr als ausgelastet.
Am 23. Juni 1902 wird der Name "Mercedes" als Warenzeichen angemeldet und am
26. September gesetzlich geschützt. Emil Jellinek erhält im Juni 1903 die
Erlaubnis, sich fortan Jellinek-Mercedes zu nennen. "Wohl zum ersten Mal trägt
der Vater den Namen seiner Tochter", kommentiert der erfolgreiche
Geschäftsmann die Namensänderung.
1907 wird Jellinek österreichisch-ungarischer Generalkonsul und kurze Zeit
später Konsul von Mexiko. Im Jahr 1909 zieht sich Jellinek aus dem
Automobilgeschäft zurück, um sich seinen Aufgaben als Leiter des
österreichisch-ungarischen Konsulats in Monaco voll widmen zu können. Er
bleibt bis zu seinem Tod am 21.1.1918 ein interessierter Beobachter des
Automobilbaus.
Quellen-Angabe: Mercedes-Benz Classic
Diese Seite ist teil von MB-Portal.Net.
Fehlt das Menü auf der linken Seite, klicken Sie bitte hier.
© Copyright 1998-2008 Benjamin Mehlhorn -
*
Email-Kontakt